Samstag, 5. September 2009

...ein Hundeleben in Spanien...


Einen glücklichen Hund zu besitzen
ist besser als eine Fünfpfundnote...
er ist der Inbegriff strahlender Freundlichkeit
und wenn er den Raum betritt, so scheint es,
als wäre noch ein Licht angezündet worden...
...frei nach Robert Louis Stevenson...


vorher

nachher


Mein Name ist Perro…übersetzt heißt Perro "Hund"…habe ich nicht einen schönen Namen?

Ich möchte Euch etwas aus meinem Leben erzählen…Ich bin ein Galgo. Ein glücklicher Galgo. Ich lebe bei meinem Herrn und seiner Familie seit fast einem Jahr. Heute ist mein 1. Geburtstag. Mein Herr hat zu seiner Familie gesagt…mein Sohn und ich gehen mit Perro auf den Berg. Das ist bestimmt das Geburtstagsgeschenk für mich…Oh, wie schön…mein Herr mit seinem Sohn gehen mit mir auf den Berg,um zu jagen…so, wie wir es im letzten Jahr oft gemacht haben. Ich liebe diese Jagd ! Zur Belohnung gab es immer ein kleines Stückchen des erlegten Wildes und manchmal auch noch ein Stückchen von dem gegarten oder gebratenem Wild... Ich laufe sofort zu meiner Mama, die eine Kette um den Hals trägt und an einem toten Baum in der herrlich warmen Sonne Spaniens angebunden ist und erzähle ihr, was unser Herr und ich heute vorhaben. Sie sieht mich aus müden Augen an. Ihre Augen waren immer müde. Ich denke, weil sie so viel arbeitet. Sie hat ja viele Kinder aufzuziehen, und Kinder aufziehen ist schwere Arbeit... hat sie mir mal erklärt. Heute sind ihre Augen müder als sonst und als ich mit meiner frohen Botschaft fertig war, lief eine Träne über ihre Schnauze als sie sagte…nun musst Du gehen mein Sohn ...unser Herr wartet auf Dich. Ich tröstete sie, weil sie ja nicht mit konnte war sie bestimmt so traurig und versprach ihr, alles zu berichten, wenn ich wieder zu Hause war.

Mein Herr, sein Sohn und ich gingen zum Berg hinauf. Ich war außer mir vor Freude…gleich würde die Jagd beginnen! Wir kehrten für eine kurze Rast in einer Bergruine ein. Dort legte mein Herr mir einen Strick um den Hals, um mich vor dem Bösen zu beschützen. Er ist ein guter Herr...sein Sohn hielt gebührenden Abstand, als er den Strick an einem Balken befestigte und mich dabei so anband, dass meine Vorderbeine den Boden nicht berühren konnten. Mit fragenden Augen blickte ich ihn an, als er sich zu seinem Sohn niederhockte...Herr, warum? Du tust mir weh. Ich bekomme kaum noch Luft...sie hockten schweigend in einer Ecke. Mir wurde schwindelig von dem Druck auf meinen Hals. Verzweifelt versuchte ich mit den Vorderbeinen auf den Boden zu gelangen, dabei schnürte es mir noch mehr den Hals zu. Ich begann zu weinen... verstand nicht, warum dieses geschah. Mein Herr ist ein guter Herr! Nach einer für mich unendlich langen Zeit versagten meine Hinterbeine, so dass ich mich völlig mit meinem Hals in der sich immer weiter zuziehenden Schlinge ergeben musste...verschwommen nahm ich wahr, wie mein guter Herr zu seinem Sohn sagte…das ist ein Galgo und das ist sein Schicksal, wenn er nicht gut jagen kann. Das war der letzte Satz von meinem geliebten Herrn den ich hören konnte, während mein Leben aus meinem Körper schwand und meine Augen brachen...und er schaute mir dabei zu.

Mein Herr war ein guter Herr...

...Perro´s Geschichte mit freundlicher Genehmigung von M. Stiefeling, 20. Juli 2009.


vorher

nachher

Bald beginnt sie wieder die Jagdsaison in Spanien…vom 1. Oktober bis 31. Januar werden in ländlichen Gegenden wie Kastilien, La Mancha oder Andalusien hunderte Windhunde für eine Saison ihr Äußerstes geben…am Ende der Jagdsaison werden die meisten von ihnen ihren Einsatz mit dem Leben bezahlen…wie Perro ergeht es dann unzähligen Hunden, die die Erwartungen ihrer Herren nicht erfüllt haben oder einfach getötet werden, um überflüssige Futterkosten einzusparen.

Seine maximale Laufgeschwindigkeit erreicht ein Galgo zwischen seinem 1. und 2. Lebensjahr…danach wird er langsamer, ist nicht mehr so wendig…man entledigt sich der Hunde, indem man sie lebendig begräbt, totschlägt oder im Brunnen ertränkt…die meisten aber werden an Bäumen erhangen…diese Methode hat eine uralte Tradition…für die armen Leute war es früher die billigste Art, einen Hund loszuwerden…für den reichen Patron eine Frage der Ehre…denn je mehr Hunde zu Saisonende in den Pinien hingen…umso reicher der Patron.
War der Galgo ein guter Jäger, so wurde er hoch im Baum erhängt…das geht in der Regel sehr schnell und erlöst das Tier innerhalb weniger Sekunden…war er aber ein schlechter Jäger, so wurde er nach der „Klavierspieler“-Methode aufgehangen…dabei wird er so niedrig an den Baum gebunden, dass er in dem vergeblichen Bemühen, den Boden zu erreichen…wie ein Klavierspieler in seine Tasten…wild mit den Beinen zappeln wird, bis er am Ende seiner Kräfte sein wird und jämmerlich erstickt. Diese alten Traditionen gibt es leider vereinzelt immer noch...eine modernere Variante ist das Spritzen von Seifenlösung in die Blutbahn...

Spanien ist eines der wenigen Länder in der westlichen Welt, in der das Tierschutzgesetz nicht durchgesetzt wird und Tierquälereien an der Tagesordnung sind, ohne den Zorn der Gesellschaft zu erregen. Engagierte Protestkampagnen sind mittlerweile aktiv und sammeln Unterschriften mit dem Ziel, die Hetzjagd bzw. Rennen mit Windhunden zu verbieten und die Zuchten zu kontrollieren…leider ohne spürbare Erfolge…es werden jedes Jahr wahllos tausende Windhunde produziert und ohne jegliche tierärztliche Versorgung unwürdig gehalten. Ein guter Windhund, der Rennen läuft, kann seinem Besitzer Gewinne in 5- stelliger Höhe einbringen…die Diätnahrung der Galgos besteht allerdings oft nur aus Wasser, Zucker und Brot…ihr Leben geht in der Regel nicht über das 2. Lebensjahr hinaus. Manche Hunde haben Glück und werden rechtzeitig gefunden und zunächst in Tierheime gebracht…dort beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um möglichst viele Hunde nach Deutschland zu bringen, bevor ihr Leben auf der Tötungsstation endet.
Schon tausende Hunde haben in den letzten Jahren vor allem in Deutschland und Frankreich ein neues Zuhause gefunden…diese feinfühligen Hunde sind anpassungswillig, leben sich schnell ein und sind unendlich dankbar für eine faire Chance…die Angst vor Männern mit spanischer Sprache bleibt oft bestehen…eine niemals ganz verblassende Erinnerung an ein vergangenes Hundeleben in Spanien zwischen Gosse und Galgen…

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation
kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt...
Mahatma Gandhi


alle Fotos mit freundlicher Genehmigung meiner Freundin Bianca, Mitglied der Schutzorganisation

Sonntag, 19. Juli 2009

Oskarchen im Regenbogenland...


Mein Großvater pflegte immer zu sagen...der Herrgott lässt keine Bäume in den Himmel wachsen...und es scheint ein Naturgesetz zu sein...auf Sonnenschein muss Regen folgen. Nach einem traumhaften Wochenende aus Berlin heimgekehrt, mussten wir völlig unerwartet von unserem Oskarchen Abschied nehmen...was war passiert?

Seit Beginn des Jahres war Oskarchen immer wieder in Abständen sehr krank...es traten sporadisch Fieberschübe und Erbrechen auf, die mit offensichtlichen Schmerzen einhergingen, ohne dass die Ursache gefunden wurde. Unzählige Besuche in der Tierklinik blieben trotz gründlichster Untersuchungen ohne Ergebnis...Oskarchen erhielt diverse Antibiotika, die teilweise gar nicht oder nur sehr langsam anschlugen. Es war für uns alle eine sehr aufreibende Zeit, die von Mitleid und Hilflosigkeit geprägt war...

Anfang der Woche brach der kleine graue Kobold plötzlich zusammen, war nicht mehr in der Lage aufzustehen...noch nicht einmal sein Köpfchen konnte er anheben. Das Fieber war einer Untertemperatur gewichen, der Hund war kalt und in einem elenden Zustand...der Tierarzt konnte nur noch sein Sterben feststellen.

Sein Tod ist immer noch ungeklärt...eine Möglichkeit...ein MDR1 Gendefekt...MDR steht für multiple drug resistance...es handelt sich hierbei um eine multiple Medikamentenunverträglichkeit, die bei seltenen Hunderassen gelegentlich auftreten kann. Das MDR1 Gen entstand im Laufe unserer Evolutionsgeschichte bei allen Säugetieren, gehört zur Familie der sogenannten ABC Transporter, ist ein wichtiger Bestandteil der Blut-Hirn Schranke und dient der Entgiftung des Körpers.

Gelangen Giftstoffe, wie in diesem Falle Medikamente, in den Körper, produziert das MDR1 Gen ein Protein, das die Giftstoffe aus den Gehirnkapillaren in die Blutbahn zurück schleust und an Leber und Niere weiterleitet, wo sie abgebaut und ausgeschieden werden...ist das Gen defekt oder fehlt es gänzlich, kann dieser Proteintransmitter nicht gebildet werden...Medikamente setzen sich toxisch im Gehirn ab und vergiften langsam aber nachhaltig das zentrale Nervensystem.

Die Symptome sind Bewegungsstörungen, Desorientiertheit, epileptische Anfälle, Fieberschübe, Erbrechen...komatöse Zustände...die Folge Organversagen...

Eine weitere Möglichkeit wäre eine nicht erkannte Borreliose. Dafür würden die häufigen Fieberschübe sprechen. Gewißheit aber haben wir bis heute nicht...auffällig war allerdings, dass von Beginn an Medikamente gar nicht oder nur sehr langsam anschlugen...oft hatte ich den Eindruck, dass es Oskarchen nach jeder Medikamentengabe eher schlechter ging. Erst der Wechsel des Antibiotikums führte zum Therapie-Erfolg.

Multiple Medikamentenunverträglichkeit bezieht sich z.B. nur auf eine greifbare Anzahl bekannter Medikamenten-Inhaltsstoffe, die bei Kenntnis der Unverträglichkeit umgangen werden und mit alternativen Medikamenten behandelt werden kann.
Unser kleines Oskarchen ging am 15. April 2009 über die Regenbogenbrücke...er hinterlässt eine grosse Lücke...er wird immer in unserem Herzen sein.


Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
Johann Wolfgang von Goethe